Anfang Juli bin ich aus dem deutschen Sommer in den südafrikanischen Winter geflogen – und die Kälte in Stellenbosch hat mich ehrlich überrascht. In den ersten Tagen war die Umstellung spürbar: neue Umgebung, neue Routinen, neue Menschen, und gleichzeitig ein Alltag, der sich zunächst ungewohnt anfühlte. Gerade in dieser Anfangsphase war neben der Vorfreude auch ein leiser Gedanke präsent, den vermutlich viele kennen, die etwas Neues wagen: die Frage, ob die Entscheidung wirklich die richtige war.
Ich studiere dual bei Lufthansa Industry Solutions und habe von Anfang Juli bis Mitte Dezember an der Stellenbosch University in Südafrika studiert. Als dualer Student an der Nordakademie in Elmshorn, habe ich mich auf eine richtige Studentenstadt gefreut. Gleichzeitig ist Stellenbosch der perfekte Ausgangspunkt, um das Western Cape zu erleben.
Studium an der Stellenbosch University: vertraut und trotzdem anders
Belegt habe ich die Kurse Strategic Management, Logistics and Supply Chain Management, Entrepreneurship and Innovation sowie Economics. Methodisch und organisatorisch war vieles nah an staatlichen Universitäten in Deutschland: klare Kursstrukturen, hohe Eigeninitiative und ein anspruchsvolles Niveau. Gleichzeitig war es für mich eine Umstellung, weil ich regulär an der NORDAKADEMIE studiere und dort eine etwas andere Studienorganisation gewohnt bin.
Der größte Unterschied lag für mich persönlich im Prüfungs- und Lernrhythmus. Statt einer einzigen großen Prüfungsphase am Semesterende waren die Leistungen über das Semester verteilt, etwa über Quizze, Präsentationen und schriftliche Prüfungen. Genau das hat dazu geführt, dass man sich regelmäßiger und intensiver mit den Themen beschäftigt und Inhalte nachhaltiger verinnerlicht.
Ein zweiter Punkt war die vollständige Lehre auf Englisch. Nach kurzer Zeit merkt man, wie stark sich Hörverstehen und Wortschatz entwickeln, wenn Englisch nicht „Fach“, sondern Alltag ist in Vorlesungen, Diskussionen und Präsentationen.

Leben in Südafrika: draußen, lebendig und sehr verbindend
Was mich neben dem Studium besonders geprägt hat, war das Lebensgefühl. Vieles spielt sich draußen ab und Begegnungen entstehen schneller, wenn man sich unter Menschen bewegt. In Südafrika habe ich zum Beispiel meine Liebe zum Basketball entdeckt. Der Uni-eigene Court war für mich ein Ort, an dem man sofort Anschluss finden konnte: Man kommt hin, spielt ein paar Runden und ist plötzlich Teil einer Gruppe.
Dabei habe ich schnell gemerkt, dass wir im Kern oft viel ähnlicher sind, als man vorher denkt. Es ist weniger entscheidend, wo jemand herkommt, sondern wie offen man aufeinander zugeht.
Kapstadt und „First Thursdays“: ein besonderer Blick auf Stadt und Kultur
Kapstadt war für mich ein häufiger Ankerpunkt. Ein Highlight waren die First Thursdays: An diesen Abenden wirkt die Stadt wie ein einziger offener Treffpunkt. Galerien sind geöffnet, Bars verlagern sich nach draußen, und überall begegnet man Menschen. Es ist ein besonderer Mix aus Kunst, urbaner Energie und spontaner Gemeinschaft – ein „Vibe“, den ich so noch nicht erlebt hatte.
Reisen im Western Cape: Garden Route und Freundschaften, die bleiben
Nach den Zwischenprüfungen plant die Stellenbosch University eine Woche Pause ein, die wir/ich zum Reisen verwenden konnten. Ob Mauritius, Namibia, Uganda oder die Garden Route – überall auf dem Kontinent trifft man zu der Zeit Sudierende aus Stellenbosch. Ich war mit einer Gruppe von zehn Personen auf Reisen entlang der Garden Route. Südafrika hat für mich einige der schönsten Landschaften, die ich bisher gesehen habe: Traumstrände, Berge, Weite und immer wieder Orte, an denen man einfach stehen bleibt und nur schaut.
Das eigentliche Highlight war für mich jedoch nicht nur die Landschaft, sondern die Zeit mit den Menschen. Ob andere Deutsche, internationale Studierende oder Südafrikanerinnen und Südafrikaner: Ich habe Freundschaften geschlossen, von denen ich überzeugt bin, dass sie bleiben werden. Genau das macht solche Monate im Ausland am Ende wirklich wertvoll.


Was ich für den Alltag bei Lufthansa Industry Solutions mitnehme
Wenn ich meine Learnings aus dem Auslandssemester auf den Punkt bringe, sind es vor allem diese:
- Schnelles Finden in neuen Teams: Häufige Gruppenarbeiten mit neuen Konstellationen haben mir gezeigt, wie wichtig Rollenklärung, klare Kommunikation und pragmatische Zusammenarbeit sind.
- Kompetenzen erkennen und nutzen: In kurzer Zeit zu verstehen, wer welche Stärken hat, und Aufgaben entsprechend zu verteilen, macht Teams spürbar effizienter.
- Englisch als Arbeitssprache: Vorlesungen, Diskussionen und Präsentationen auf Englisch haben mein Hörverstehen und meinen aktiven Wortschatz deutlich verbessert.
- Kontinuierliches Lernen: Verteilte Leistungsnachweise halten einen fachlich konstant „drin“ – ein Prinzip, das sich auch auf Weiterentwicklung im Job übertragen lässt.
- Offenheit als Schlüssel: Zugehörigkeit entsteht schnell, wenn man auf Menschen zugeht – unabhängig von Herkunft oder Kontext.
Fazit
Rückblickend war mein Auslandssemester in Südafrika ein Perspektivwechsel: fachlich durch einen kontinuierlicheren Lernrhythmus, persönlich durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl – und menschlich durch Begegnungen, die sehr schnell Nähe entstehen lassen. Ich bin dankbar für diese Zeit im Western Cape und für die Freundschaften, die daraus entstanden sind.
Wer die Chance auf ein Auslandssemester hat, sollte sie nutzen. Nicht, weil alles perfekt läuft – sondern weil man genau dort wächst, wo man sich auf Neues einlässt.


