Ein Job, der für viele nach Abenteuer und einem Leben im Hotel klingt. Und ja – wir haben diese Momente. Aber unser Alltag sieht heute meist anders aus: Viel Point-to-Point, kurze und mittlere Strecken, und am Ende des Tages oft wieder daheim statt im Fünf-Sterne-Hotel. Zum Glück, denn ich bin schließlich gerne Zuhause.
Wie ein typischer Arbeitstag aussieht, wenn die Ops ruhig bleibt, das Wetter nicht verrückt spielt und keine spontanen Dienstplanänderungen dazwischen kommen – davon erzähle ich euch hier. Ein bisschen himmlisch, manchmal chaotisch, aber immer besonders.
13.30 – Kein Tag ist wie der andere
Check-In 13.30 Uhr, Abflug 14.40 Uhr, Düsseldorf – Lissabon – Düsseldorf: Siebzig Minuten vor Abflug trifft sich meine Crew im Briefingraum. Die Purserette leitet das Briefing, wir frischen unser Wissen auf und sprechen über Sicherheitsthemen wie z.B. `Was machen wir bei einem Toilettenbrand` und ‚Wie gehen wir bei Verdacht auf Herzinfarkt vor`. Dann werden Specials besprochen. Wir haben heute einen `Wheelchair Cabin‘ dabei, einen körperlich und in der Mobilität stark eingeschränkten Gast, der vor allen anderen an Bord gebracht und von uns gesondert eingewiesen wird und Aufmerksamkeit erhält.
Zum Briefing gehört natürlich auch, wie wir den Service gestalten. Je nach Passagierzahl, Flugdauer und Flugzeugtyp variiert der Ablauf. Und natürlich legen wir die Station fest, an der wir heute Tag arbeiten. Ich bin auf der 1 R, also vorne rechts im Flieger, zusammen mit der Purserette Dunja. Die fliegt übrigens immer auf der 1 L.
Das Cockpit kommt dazu, als wir schon durch sind mit unserem Briefing, es folgen noch Infos über die Wetterlage, Flugzeiten und Besonderheiten in der Kabine. Der Hinflug dauert mit 3 h etwas länger, dafür haben wir auf dem Feierabend-Leg Rückenwind und fliegen 2.35 h. Ein Coffeemaker fällt heute aus, er kann erst im Nightstopp repariert werden.
14.00 Uhr – Was der Passagier nicht sieht: Safety first!
Auf dem Flieger angekommen wird erstmal das Equipment gecheckt. Sind alle Schwimmwesten da, fehlen Safety Cards? Damit ich ja nichts vergesse, schnapp‘ ich mir dazu meine Checkliste. Taschenlampe, Feuerlöscher, Rauchschutzhaube – alles an seinem Platz.
Der Flieger wird betankt, das Frischwasser aufgefüllt und der Kollege aus der hinteren Galley läuft mit unserem Duftspray Breeze noch einmal durch die Kabine, da geht auch schon das Boarding los. Wir sagen „Hallo“ und „Willkommen“, beim A320er wie heute der Fall, bis zu 180 Mal pro Strecke.
Zwischendurch macht die Kollegin aus der hinteren Galley heraus Ansagen und weist auf die Staumöglichkeiten fürs Handgepäck hin, der Kollege auf der 3 R (also hinten rechts) weist die Gäste am Notausgang ein, im vorderen Teil der Kabine versorge ich währenddessen unsere zwei Babys mit loop belts, das sind spezielle Anschnallgurte für unter Zweijährige, und infant live vests, extra kleine Schwimmwesten.
Dazwischen folgt noch ein Gespräch mit einer Dame, die ihr mitgebrachtes Hündchen auf dem freien Sitzplatz neben sich platzieren möchte. Aber bevor ich sie davon überzeugen muss, dass ihr Liebling unter dem Vordersitz sicherer untergebracht ist, huscht noch ein Passagier auf den Mittelplatz neben ihr. Sitz belegt, Problem gelöst. Ich lächle.
14.35 Uhr – Boarding completed
Die Bins sind zu, das Gepäck ist verstaut, jetzt ist Zeit für die Demo. Für mich von Reihe eins aus, und weil der Flug über Wasser führt, mit Schwimmweste.
Der Flieger rollt los, während wir in der Kabine noch tanzen und Dunja die Ansage vorliest. Danach wird ein letztes Mal gecheckt, ich laufe bis zum Notausgang. Alle Gäste sind angeschnallt, die Exits sind frei. Cabin is ready, hinsetzen und konzentrieren, bevor wir starten. Zeit für den 30-Second Review. Im Kopf gehe ich unsere Notfallkommandos durch, nehme die Safety Position ein und los geht’s.
15 Uhr, Zeit für Service. Fries in the Sky? Snacks, Drinks?
Die Turbinen dröhnen vertraut, das Fahrwerk quietscht beim Einfahren. Nach ein paar Minuten gehen die Anschnallzeichen aus, für uns genauso wie für unsere Gäste das Zeichen, dass wir Aufstehen und loslegen können. Der Hinflug ist heute mit einer Flugzeit von 3 h geplant. Genug Zeit, die Trolleys entspannt aufzubauen und Kaffee zu kochen. Die Ansage für heiße Essen kommt aus der hinteren Galley. Dunja nimmt sich für die hot meal Abfrage eine Liste zur Hand und geht durch die Kabine, während ich die Trolleys weiter aufbaue. Sie kommt mit wenigen Bestellungen wieder, worüber wir ehrlicherweise nicht ganz traurig sind – unser Flieger hat heute nämlich nur einen kleinen Ofen in der vorderen Galley, viele Essen auf einmal passen nicht rein.
Danach folgt die reguläre Service-Ansage, wir ziehen mit den Trolleys in die Kabine. „Snacks, Drinks – Sie möchten doch eine Pommes bestellen?“ Nach einer guten halben Stunde sind wir fertig mit dem Service, es folgt der Duty Free Verkauf und eine zweite Getränkerunde, eine Stunde vor der Landung.
Warum der schönste Blick der Welt durchs Cockpitfenster geht
Wenn die Flugdauer es zulässt, besuche ich gern unsere Kolle:ginnen im Cockpit. Es gibt für mich nichts Schöneres, als auf das Wolkenmeer zu schauen oder bei klarer Sicht über Paris, wo wir oft auf dem Rückweg drüber fliegen, Ausschau nach dem Eiffelturm zu halten, der nachts beleuchtet wird. Auch immer schön ist der Blick auf die Alpen, vor allem auf den Mont Blanc. Oft ist die Sicht so klar, dass man meint Bergsteiger erkennen zu müssen. Gesehen habe ich bisher niemanden.
Mein Highlight dieses Jahr war ein Kairo Flug und der Blick auf die Pyramiden von Gizeh. Kaum vorstellbar, dass diese Monumente vor so vielen Jahren von Menschenhänden erschaffen wurden. Leider war die Sicht darauf etwas trüb. Wüste eben.
Beeindruckt hat mich ein Flug mit einer Copilotin, die sich für Sternenbilder interessiert und mir auf ihrer App zeigte, wo vor uns der ‚Große Wagen‘ lag. Und eigentlich nicht erwähnen muss ich die Sonnenuntergänge, die immer ein besonders schönes Licht auf die Wolkendecke werfen und mein tägliches Highlight sind, besonders an trüben Tagen auf der Erde. Heute mache ich ein Foto aus dem Cockpit über Frankreich, kurz vor Bordeaux erkenne ich die Dune du Pilat. Wunderschön von hier oben!
Mein himmlischer Arbeitsplatz, in dem ich die Welt von oben sehen darf, ist auch nach all den Jahren in der Fliegerei immer wieder etwas Besonderes für mich.
17.10 Uhr – „Bitte schließen Sie ihren Sicherheitsgurt“
Ping! Da gehen auch schon wieder die Anschnallzeichen an. Dunja nimmt das PA und macht die Landeansage, während ich mich mit dem Einschub in der Hand wieder in die Kabine begebe, um Müll einzusammeln und die Kabine zu checken. Am Notausgang treffe ich auf meinen Kollegen, der dabei ist, eine Handtasche zu verstauen. Aus dem Augenwinkel sehe ich auf der anderen Seite des Exits, dass bei der Dame am Fenster eine Jacke auf dem Schoß liegt. Bei Start und Landung darf dort nichts liegen, ich räume sie ins obere Ablagefach und gehe nach vorne. Jetzt heißt es wieder hinsetzen, anschnallen, 30-Second Review machen. Happy Landing!
Ankunft 17.40 Uhr, im Turnaround wird geputzt und gecheckt
Angekommen in der Parkposition heißt es erstmal ‚All Doors in Park‘. Das bedeutet, dass wir die Türen umstellen, und zwar so, dass die Rutschen drin bleiben, sobald die Türen von uns geöffnet werden. Der Finger wird angeschlossen, es klopft von außen. Erst dann geht die 1 L Türe auf und die Ramp Agentin begrüßt uns: „Any Specials?“ „Yes, one Wheelchair Cabin“, antwortet die Purserette. Und während die Gäste aussteigen, klopft es auch schon an meiner Tür. Der Hubwagen für unseren Wheelchair ist da, aber er muss warten, bis alle anderen Gäste im Terminal verschwunden sind. Ich öffne meine 1 R Tür, checke den Ausweis des Mitarbeiters und lasse ihn mit dem Rollstuhl, der extra für den schmalen Kabinengang gebaut wurde, rein. Deboarding Completed, alle Gäste sind raus. Ich gehe nochmal durch den Flieger und mache den lost item check. Heute hat niemand seinen Autoschlüssel oder Laptop an Bord vergessen.
Wir sammeln den liegengebliebenen Müll ein und staubsaugen die Kabine, checken erneut die Schwimmwesten unter allen Sitzen und stecken die Sitztaschen aus. Das machen wir alle gemeinsam und melden danach ‚Turnaround Check completed‘. Das Wetter hier in Portugal ist schön und wir haben noch ein paar Minuten Zeit, also nutze ich die Gelegenheit, die Nase kurz in die Sonne zu halten. Zwar sind wir an einer Fluggastbrücke angeschlossen, aber es gibt eine Tür, die nach unten aufs Vorfeld führt. Dort stellen der Kollege aus der hinteren Galley und ich uns kurz hin, stellen aber fest, dass es sehr windig ist und die Triebwerksschaufeln sich laut drehen. Zu laut für meine Ohren, also gehe ich schnell wieder rein und warte mit dem Rest meiner Crew auf die Gäste.






Abflug 18.45 Uhr. Same same, but different
Der Rückflug ist vom Ablauf her ähnlich. Niemals gleich. Wir haben andere Passagiere mit anderen Themen an Bord. Diesmal ist es kein Hündchen, das auf den freien Mittelplatz soll. Mich beschäftigt eine lebhafte Gruppe von Passagier:innen, in der nicht alle einer Meinung sind. Mit etwas Fingerspitzengefühl finden wir schnell eine Lösung und setzen sie so um, dass alle entspannt weiterreisen können.
Genau das macht diesen Job auch so abwechslungsreich. Manchmal ist er natürlich auch anstrengend. Körperliche Belastungen haben wir nicht durch Jetlag oder Klimawechsel, sondern weil Fliegen manchmal eben herausfordernd ist. Wechsel von Früh auf Spät, Nachtflüge, die Sommer-Ops und natürlich unsere Gäste mit manchmal besonderen Bedürfnissen. Aber Flugbegleiter:in sein ist nie langweilig. Und weil wir da oben in der Metallröhre wenig Kontakt zur Welt da unten haben, ist jede Crew auch ein bisschen wie Familie. Wenn auch nur für einen Tag.
21.25 Uhr – „Tschüss und Auf Wiedersehen“
Wir landen pünktlich, sogar ein paar Minuten vor der geplanten Ankunftszeit, der Rückenwind hat uns schneller in den Feierabend gebracht. Wir stehen an einer Außenposition und bekommen zwei Treppen rangefahren, in der Ferne erkenne ich den Crewbus, der uns zurück ins Terminal fährt. Noch 155 Mal „Tschüss“ und „Auf Wiedersehen“ sagen, die Kabine auf lost items checken. Ein normaler Tag an meinem himmlischen Arbeitsplatz endet. Was mich morgen auf dem Mailand Flug wohl erwartet?
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